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Wie Elsa mit 10 Jahren Facebook versteht

Ein gutes Beispiel für elterlichen Umgang mit Social Media

Sabine (34) ist Mutter einer 10-jährigen und auf Facebook mit wirklich vielen anderen Müttern verknüpft. Als sie neulich stumm am Rechner sitzt und grübelt, kommt ihre Tochter Elsa rein und fragt neugierig fragt: „Mama, was machst du da am Computer?“

Ein gutes Beispiel für elterlichen Umgang mit Social Media im Familienalltag

Sabine (34) ist Kundin bei dem erfolgreichen Bio-Start Up ‚Freche Freunde‘. Als sie einmal unzufrieden mit einer Lieferung war hatte sie diese reklamiert. Daraufhin erhält Sabine heute von dem StartUp ein Gratis-Paket als Sorry-Geste und Dankeschön für ihr ehrliches Feedback. „Echt coole Art, mit Kritik umzugehen“, denkt sich Sabine. Sie freut sich so darüber, dass sie ihre Erfahrung auf Facebook teilen will. Dort ist sie mit wirklich vielen anderen Müttern verknüpft. Ihre rhetorische Challenge ist jedoch, die Wertschätzung für das StartUp ohne Nachahmer-Effekt rüberzubringen. Sie sitzt stumm am Rechner und überlegt, als ihre Tochter Elsa (10) reinkommt und wie immer neugierig fragt: „Mama, was machst du da am Computer?“

 

Sabine erklärt ihr ihre Absicht und die Schwierigkeit. „Es muss so klingen, dass es nicht ‚falsches‘ Gemecker auslöst, von Leuten, die nur die Gratispakete abstauben wollen, weißt du.“ erklärt sie ihrer Tochter. „Darf ich dir helfen?“, fragt Elsa. Sabine zögert kurz. „Mein Kind und Facebook? Klar, ich bin doch dabei.“, denkt sie und bittet ihre Tochter an ihre Seite. Elsa textet fleißig mit, sie stellt ihrer Mutter Fragen zur Absicht, zur Zeitform bei Facebook, zur Leserschaft und sie untersucht die Produktverpackung. Elsa entfaltet mit Freude ihr rhetorisches Potential. Binnen 10 Minuten entsteht gemeinsam ein astreines Posting. Sabine freut sich und veröffentlicht es. Elsa ist tief zufrieden und von Stolz erfüllt, Mama als ‚Co-Redakteurin‘ geholfen zu haben. Gleich entwickelt sie grobe berufliche Ideen: „Irgendwas mit Texten, was Redaktionelles, aber nicht nur blöde Werbung…“. Sabine grinst.

 

 

Was hier gelungen ist?

Dieses schöne Erfolgserlebnis war möglich aufgrund des konstruktiven Umgangs mit Medien in der Familie. Wo sonst hätten Mutter und Tochter einen derartig lebensechten Anlass erhalten, gemeinsam ein rhetorisches und visuelles Werk zu texten? Im Schulbuch bei den Hausaufgaben? Sicher nicht. Ganz beiläufig erhielt Elsa einen Schreibanlass und auf natürliche Weise auch Erstkontakt mit der Plattform Facebook. Und zwar von der besten Person, die dafür vorstellbar ist – Mama.

 

Unverantwortlich!

Könnte man jetzt schimpfen. Facebook ist ab 13! Wie kann diese Mutter nur so ein schlechtes Vorbild abgeben. Zu viele Kinder und Jugendliche werden Opfer von Cybermobbing und Fake-Profilen. Soziale Medien machen unsere Kinder süchtig und lähmen ihren Antrieb. Fake-News und digitale Demenz prägen die junge Generation, seit erworbenes Wissen durch Wikipedia ersetzt wird. Diese Geschichte ist nun wirklich kein Positiv-Beispiel für familiären Umgang mit Medien. Allenfalls ein sanfter Früheinstieg in die digitale Verdummung eines weiteren Kindes, das zwischen all den Robotern und Algorithmen niemals eine Erwerbsarbeit finden wird.

 

Mal ehrlich:

Häufig vermischen wir beim Medienthema zu viele Baustellen miteinander. Ja, es gibt große Probleme, was Cybermobbing und Fake-News betrifft. Die digitale Demenz wird Teil unserer Evolution und das Zusammenwirken der Menschen mit Maschinen im Arbeitskontext bereitet derzeit vielen Leuten Kopfzerbrechen. Mit all diesen Themen wird sich dieser Blog beschäftigen. Jetzt schauen wir aber bitte auf unsere Anekdote von Sabine und Elsa: Wir sehen hier keine Verbote, keinen Frust, sondern entspannte Co-Kreation von Mutter und Kind, die zusammen ‚basteln‘. Solch eine Alltagssituation ist effektiver als zwei Stunden Hausaufgaben. Lernen findet implizit statt anhand realer Herausforderungen des Lebens. Das wissen wir schon seit Humboldt. Es bleibt spannend wie Sabine Elsas Medienkontakt weiterhin steuern wird. Denn das hat sie zu tun. Ansonsten wird er fremdgesteuert werden.

 

 

Meine Mission, mein Versprechen:

Wenn unsere Kinder einmal erwachsen sind, werden sie in einer komplett digitalen Welt leben. Ihre Realität wird um die virtuelle Realität erweitert sein. Sie werden es nicht mehr fürchten, über Häuserschluchten zu springen. Um mit Anderen in Kontakt zu treten, werden sie kein Gerät mehr zur Hand nehmen. Wie es einst war, jemanden persönlich anzusprechen, anzurufen, anzuschreiben und um dessen Bereitschaft zur Reaktion zu bitten, werden sie nicht mehr wissen. Große Chancen, aber auch große Risiken stecken in dieser Entwicklung.

 

Wir befinden auf der Schwelle zur nächsten Stufe der Menschheit. Und wir ‚analoge‘ Eltern ( und Lehrer, Erzieher, Ausbilder, Chefs) sind ihre letzten Botschafter für alles nicht-digitale, das zwischen Menschen passiert. Wir können ihnen noch zeigen wie es ist, Auge in Auge einen Konflikt auszutragen, am Ladentisch zu verhandeln, mit Freunden um die Wette auf echte Bäume zu klettern, Holz zu sägen und persönlich mit dem Freund Schluss zu machen. All diese Dinge. Wir sind ihre Begleiter durch diese Schwellenzeit. Nur von uns können sie lernen, Maschinen und Algorithmen als großartige Werkzeuge zu benutzen, die sie ergänzen – nicht ersetzen.

 

Was wir ihnen also heute aus unserer – ’noch immer recht analogen‘ – Zeit mitgeben, wird für ihre Fähigkeit zu Glück, Erfolg, Wohlstand und Gesundheit von entscheidender Bedeutung sein. Um sie aber gut begleiten zu können, müssen wir ‚analog‘ UND ‚digital‘ zugleich sein. Bleiben wir also nicht auf der Stufe des 20. Jahrhunderts stehen. Lasst uns offen sein, mitwachsen, dazulernen. Damit wir dieses Internet und die neuen Technologien verstehen. Wir sind die letzten Mohikaner und unsere Kinder die ersten Menschen eines neuen Zeitalters. Eine große Aufgabe ist uns gegeben. Ich helfe Euch dabei, sie gut zu meistern.

Alles Liebe
Marcell